DEPENDANCE II Abschied und Neubeginn Zu unserem großen Bedauern haben wir uns von unserem Projekt „Umnutzung der ehemaligen Schule Schmiedestrasse in Wohnungen“ verabschieden müssen! Nachfolgend werden wir diesen Beschluss begründen und die Neuausrichtung in 2020 erläutern. 1. Die Zäsur. Dank der Unterstützung der Fraktionen SPD, BMU und Bündnis90/Die Grünen wurde in der HFA-Sitzung am 3. Dezember 2019 unser Anspruch auf eine rechtsverbindliche Vereinbarung zur Übertragung des Gebäudes „Schule Schmiedestrasse“ an die Baugruppe (inzwischen Genossenschaft) manifestiert. Die Vorlage des Bürgermeisters zur Aussetzung des HFA-Beschlusses von 2017 (zugunsten der Initiative Dependance) fand keine Mehrheit. Irritierend waren für uns allerdings rechtliche Bedenken, die von verschiedenen Seiten laut wurden, falls der neuerdings erhobene Eigenbedarf der Stadt an dem von uns beanspruchten Gebäude auch nach der Zwischennutzung durch die GGS Sandheide, z. B. nach Vorliegen eines Schulentwicklungsplanes, zum Tragen käme. Das würde die Situation unabwägbar machen und bei einem Beharren möglicherweise am Ende mehr schaden als nützen. Die Notwendigkeit zur Erfüllung der Ziele der Gruppe, nämlich Umsetzung eines gemeinsamen Wohnprojektes, das unseren hohen sozialen, ökologischen und moralischen Ansprüchen gerecht wird, bedurfte demnach eines neuen Ansatzes. Eine weitere Verlängerung des Schwebezustandes wäre für unsere Mitglieder nicht länger akzeptabel, so dass wir den Entschluss fassten, das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen. 2. Ein neuer Plan. Am 12. Dezember 2019 fand im Büro des Bürgermeisters ein Gespräch des Vorstands mit dem Bürgermeister, dem techn. Beigeordneten und dem Fachbereichsleiter 61 statt. Wir gaben dabei unsere Bereitschaft zu erkennen, den gordischen Knoten zu durchtrennen, weil uns die Aussichtslosigkeit der Realisierung unseres Konzeptes für die Umnutzung des Schulgebäudes in absehbarem Zeitrahmen bewusst geworden ist. Es kann uns auch nicht daran gelegen sein, der Stadt Erkrath Ressourcen vorzuenthalten, die möglicherweise dem Allgemeinwohl an dieser Stelle wesentlich von Nutzen wären. Das haben wir bereits durch unser Verhalten nach dem Brandunglück der GGS Sandheide zum Ausdruck gebracht. Ein möglicher Lösungsansatz war ein bereits zum Beginn der Auseinandersetzung 2015/16 von der Verwaltung an uns herangetragener Vorschlag, auf die Nutzung des Schulgebäudes zu verzichten und stattdessen auf dem Gelände daneben einen Neubau zu errichten. Dies wurde damals vor dem konzeptionellen Hintergrund von uns zurückgewiesen. Im Gespräch am 12. Dezember haben sämtliche Beteiligte in diesem Ansatz eine neue Chance erkannt, beiden Ansprüchen zum Durchbruch zu verhelfen: Erhalt und Weiternutzung des Schulgebäudes durch die Stadt Erkrath und Schaffung von erschwinglichen Mietwohnungen durch die Genossenschaft Dependance Erkrath in einem Neubau. Auf dem ca. 15.000 großen Schulgrundstück befindet sich westlich von dem Schulgebäude eine hängige Wiesenfläche (sog. „Hundewiese“), die in Größe und Beschaffenheit für eine Bebauung geeignet wäre. Das hieraus zu bildende Baugrundstück wäre ca. 2.900 groß, begrenzt durch den neuen Zaun neben der Schule und dem an der westlichen Grundstückgrenze verlaufendem Grünzug, sowie nördlich durch den Verbindungsweg zur Bergstraße und der südlich angrenzenden Spielplatzfläche. Die Verwaltung sah keine wesentlichen Hindernisse zur Umsetzung dieses Planes und für die Genossenschaft bliebe der Standort annähernd erhalten. Es wurde für beide Seiten Bedenkzeit bis in das neue Jahr vereinbart, wobei sich bis dahin die Verwaltung um die rechtlichen Belange und die Genossenschaft über das Konzept Klarheit verschaffen wollte. 3. Das Konzept „Dependance II“. Durch den Vorstand wurden über den Jahreswechsel Eckpunkte für ein Neubauprojekt auf dem genannten Grundstück entwickelt und den Mitgliedern vorgelegt. Am 18. März 2020 fand das avisierte Gespräch mit der Verwaltungsspitze statt, wonach beide Seiten sich auf die Durchführung und Forcierung des Projektes einigten. Ziel ist die Machbarkeit zu gewährleisten und sodann einen Vertragsentwurf über einen Vorhaben- und Durchführungsplan gem. §12 BauGB in den Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates am 10. Juni 20 einzubringen. Nach weiterer Vertiefung hat die Mitgliederversammlung der Genossenschaft am 17. April 2020 die Verfolgung des „Konzept 6“ vom 2. April 2020 einstimmig beschlossen. Dieses Konzept enthält folgende Eckdaten: Erstellung von ca. 20 Wohneinheiten als Mietwohnungen in Größen von 52 - 120 m² und einem Gemeinschaftsraum von ca. 50 m². Von den Wohnungen entsprechen mindestens 50% den Anforderungen an den öffentlich geförderten Wohnungsbau. Weitere Förderkriterien werden erfüllt. 9 WE sind bereits für Mitglieder reserviert. Die Bebauung ist 3-geschossig gestaffelt mit Flachdächern und Teilunterkellerung. Die Brutto-Geschossfläche wäre 2.500 m² bei einem Brutto-Rauminhalt von ca. 7.500 m³. Bei einer erzielbaren Grundstücksgröße von 2.500 - 3.000 m² wird eine GRZ von 0,30 und eine GFZ von 1,0 erreicht. Die organisatorischen Grundlagen für die Übernahme der Bauträgerschaft durch die „Dependance Erkrath eG.“ sind derzeit in Arbeit und bis zur Jahresmitte abgeschlossen. 4. Ein Bauwerk mit besonderen Anforderungen. Gemäß den eigenen Ansprüchen der Genossenschaft ist das Projekt den drei Aspekten Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit unterworfen. Dazu werden konventionelle Methoden überwunden und nach neuzeitlichen Erfordernissen geplant. Das Konzept 6 basiert auf einer modular aufgebauten Hybridbau-Bauweise mit Holz als wesentlichem, auch konstruktiven Baustoff. Diese Bauweise trifft teilweise noch auf ein experimentelles Umfeld: Normen, Zulassungen und Genehmigungsverfahren wurden bundesweit zur Forcierung geändert. Inzwischen zählt dies zu den anerkannten Regeln der Technik und glänzt deutschlandweit mit einigen Referenzprojekten. Das Errichten von Wohnungsbauten in Holz wird seit diesem Jahr in NRW gesondert gefördert und könnte in Erkrath erstmalig im Großraum Düsseldorf stattfinden. Die Planung des K-6 basiert auf einem Raster von 4 x 4m (Nettofläche ca. 15 m²) aus verleimten, massiven Holzbauteilen, die zusammengesetzt entsprechend große Wohneinheiten bilden. Zur konstruktiven Aussteifung, Schall- und Brandschutz kommt, je nach Anforderung, Stahlbeton zum Einsatz. Balkone sind als Vorbauelemente als 3- und 4-geschossige Stahlkonstruktionen ebenfalls im 4 x 4-Raster für jede WE geplant, diese erhalten Brüstungen und Überdeckungen mit Fotovoltaik Elementen. Vorteile sind: industriell vorgefertigte Raum- oder Bauteile, kurze Bauzeiten, geringere Beeinträchtigungen durch die Baustelle, hohe Herstellungs- und Detailqualität. Dadurch ist die Wirtschaftlichkeit aus dem Anforderungskatalog weitestgehend gewährleistet. In Bezug auf die Umweltverträglichkeit bedeutet die Verwendung von Holz als Hauptbaustoff die Bindung von CO2 in der Größenordnung von ca. 1.500 to. Damit wird für ein Projekt dieser Größe annähernd Klimaneutralität erreicht. Die energetischen Anforderungen werden durch den angestrebten Passivhausstandard bei Weitem eingehalten, eine autarke Versorgung über Fotovoltaik, Energiespeicherung und Wärmepumpentechnologie wird angestrebt. Intelligente Gebäudetechnik regelt energetische Funktionen wie Lüftung, Heizung oder Kühlung. Flachdächer werden begrünt. Für die Nachhaltigkeit spricht die hohe architektonische Qualität und die genossenschaftliche Wohnungswirtschaft. Die Genossenschaft als Bauträger ist nicht gewinnorientiert und hat ein Eigeninteresse an kostengünstiger Umsetzung der gesetzten Qualität Standards. Der Mietpreisspiegel wird nicht nur durch die geförderten WE spürbar unterschritten! Das Gebäude ist barrierefrei mit Aufzug und Gemeinschaftsraum in Bewohner-Selbstverantwortung für Grundstück und Gebäude. Für die Mobilität der Bewohner wird ein eigenes Mobilitätskonzept erarbeitet. Abschließend sei der Hinweis gestattet, dass unser Interesse für das ursprüngliche Konzept mit der Umnutzung des Schulgebäudes Schmiedestraße 2 keineswegs erloschen ist. Die Stadt wird, je nach Ergebnis des Schulentwicklungsplanes, mit dem Gebäude umgehen müssen. Es werden Investitionen in Millionenhöhe zu tätigen sein, um die zukünftigen Standards für die Nutzung öffentlicher Gebäude, insbesondere auch als Bildungseinrichtungen, zu gewährleisten. Sollten zu diesem Zeitpunkt Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung und Verfügung über das Gebäude aufkommen, würden wir uns wünschen, vorzugweise ein Angebot zur Wiederauflage unseres Konzeptes zu erhalten, um hier günstige Wohnungen zu installieren und für die Erkrather Bevölkerung als Angebot vorzuhalten. 20. April 2020 Dependance Erkrath eG. (i.Gr.) Peter Kießler Karl-Heinz Spieker Wolfgang E, Teiwes Vorstandssprecher Vorstand Finanzen Vorstand Bauen
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Stand: 13. September 2021 - © 2021 - Dependance Erkrath eG